Innovative Citizen

Technik hat unsere Lebenswelten vollständig durchdrungen. Innovationen entstehen immer schneller und immer zahlreicher. Dabei greifen die modernen Bio-, Material- und Informationswissenschaften zunehmend auf tieferen Ebenen ein und werden in ihren Wirkungen gleichzeitig mächtiger, irreversibler und unbestimmter. Es ist daher unsere Überzeugung, dass die Agenden der Wissenschaft, konkrete Ziele von Forschungs- und Entwicklungsprojekten sowie die Überführung der Ergebnisse in die Praxis als demokratischer Aushandlungsprozess gestaltet werden müssen.

Dafür sehen wir zwei wichtige Ansätze: → mehr

  1. Bürger*innen müssen an moderner Technikentwicklung teilnehmen können, um die Anwendungskontexte mitzugestalten und in ihrem Wissen und Entscheidungen über Technik mündiger zu werden. 
  2. Wissenschaftler*innen müssen aufgrund ihrer zentralen Rolle für den Fortschritt und der grundgesetzlich zugesicherten Freiheit Verantwortung übernehmen und ihre Arbeiten am Anspruch einer nachhaltigen Entwicklung messen und ausrichten.

Diese beiden Ansätze münden in der Idee des technikaffinen und gleichzeitig technikkritischen Bürgers – des Innovative Citizen.

Wir glauben darüber hinaus, dass das Teilen von Wissen über Technik und das gemeinsame Arbeiten an Technik eine wichtige Funktion bei der Revitalisierung unserer lokalen Gemeinschaften übernehmen kann. Sie stärken Nachbarschaften und Kommunen, besitzen Potenzial für modernes und nachhaltiges Wirtschaften und wirken dem kulturellen und ökonomischen Auseinanderdriften unserer Gesellschaft entgegen.

Innovative Citizen das sind konkret, ein Festival, das einmal im Jahr im Herbst im Ruhrgebiet stattfindet, verschiedene Forschungsprojekte mit Bürgerbeteiligung, die sich an der Idee des Innovative Citizen orientieren und zunehmend auch zahlreichere kleinere Workshops, Interventionen und Ausflüge, die wir über das ganze Jahr verteilt durchführen.

Innovative Citizen Festival 2025

Das Innovative Citizen-Festival ist eine Option, um gemeinsam neue und bekannte Techniken zu erlernen, zu hacken und kritisch zu diskutieren. Dabei ist uns keine Technik zu komplex und keine Praktik zu trivial, um sie in den Blick zu nehmen. Bei uns finden Workshops zur Quantenphysik neben solchen zum Sockenstopfen statt und wir schaffen es zwischen beiden Themen Brücken zu schlagen. Das Innovative Citizen Festival gibt es seit 2014 und fand seitdem achtmal statt (2014, 2015, 2016, 2017, 2018, 2019, 2023, 2024). Die bisherigen Veranstaltungsorte waren das U sowie die Werkhalle in Dortmund. Dieses Jahr gastiert Innovative Citizen erstmalig im Sanaa-Gebäude in Essen. Thematisch dreht sich diesmal alles rund um Textilien. Wir wollen aushandeln, wofür wir die zahlreichen Eigenschaften von Textilien einsetzen. Welche Techniken und Praktiken wollen wir ausprobieren, stärken oder neu entwickeln? Wie können Textilien schützen, sichtbar machen oder verbergen? Sollen sie das überhaupt? Welche Materialien nutzen wir, woher kommen sie, wie produzieren wir?

Organisation

Innovative Citizen ist eine gemeinsame Initiative von Fraunhofer UMSICHT, Folkwang Universität der Künste, der Hochschule Ruhr West sowie wechselnden Partnern, die wir in unsere zahlreichen Aktivitäten einbinden.

Team

Julia Krayer

Julia ist die Springerin zwischen den Welten. Ehemalige Folkwang-Studentin, aktuelle Fraunhofer-Mitarbeiterin, Wissenschaftskommunikatorin und Biodesignerin. Wenn sie nicht gerade Workshops organisiert, hält sie selbst eigene oder forscht an Biomaterialien. Ihre große Leidenschaft ist es andere für spannende Themen zu begeistern.

Patrick Meller

Patrick wünscht sich eine etwas kreativere und verrücktere Welt. Als wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Fraunhofer UMSICHT, Maschinenbauer und Technik-Fanatiker versucht er durch das Innovative Citizen Festival seine Utopie weiteren Menschen näher zu bringen.

Judith Schanz

Judith kommt aus dem Produktdesign, nutzt Mikroorganismen, um Lebensmittel zu verändern und fragt sich, wie bereits vorhandene Textilien lange genutzt werden können. Sie interessiert sich für Schnittstellen, an denen verschiedene Dinge aufeinandertreffen, aktuell zum Beispiel Nachhaltigkeitsforschung und Design an der Folkwang Universität der Künste im Projekt Sustainability by Design. Sie fragt sich, wie Wissen erlangt, angewendet, festgehalten oder vergessen wird und wie es zwischen Wissenschaft, Handwerk und Gesellschaft vermittelt werden kann.

Jürgen Bertling

Jürgen war mal Chemieingenieur, das ist lange her. Heute ist er Utopist und Realo, Analytiker und Anarchist, Familienmensch und Workaholic, Fortschrittsskeptiker und dennoch Erfinder. Geht das? Kaum! Er versucht es dennoch immer wieder.

Benedikt van Kampen

Benedikt ist ein klasse Typ. Er ist Mitarbeiter von Fraunhofer UMSICHT, betreut den Makerspace und setzt geniale Projekte um. Leider ist er manchmal zu busy um Texte zu schreiben, deswegen bleiben weitere Informationen unter Verschluss.

Institutionen und Projekte

 

Fraunhofer UMSICHT

Das Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT (Fraunhofer UMSICHT) ist eines von 72 Instituten der Fraunhofer-Gesellschaft in Deutschland. Hauptsitz des Instituts mit verfahrenstechnischer Kernausrichtung ist Oberhausen in Nordrhein-Westfalen. Fraunhofer UMSICHT engagiert sich im Rahmen seiner Forschungs- und Entwicklungsprojekte aktiv beim Strukturwandel in vielen Regionen Deutschlands durch Innovationsmanagement, Technologietransfer, Ausgründung und die Bildung von FuE-Netzwerken. Das Institut beteiligt sich hierbei aktiv am Transformationsprozess der Energie- und Rohstoffwirtschaft. Als Vorreiter für technische Neuerungen in den Bereichen Energie, Prozesse und Produkte will Fraunhofer UMSICHT nachhaltiges Wirtschaften, umweltschonende Technologien und innovatives Verhalten voranbringen, um die Lebensqualität der Menschen zu verbessern und die Innovationsfähigkeit der heimischen Wirtschaft zu fördern. Unsere Auftraggeber sind Industrieunternehmen, Dienstleistungsunternehmen und die öffentliche Hand. Gemeinsam mit ihnen entwickelt und erforscht das Institut neues Wissen und transferiert es in industrielle Anwendungen und marktfähige Produkte. Die wissenschaftliche Unterstützung reicht von der ersten Machbarkeitsstudie über ausgefeilte Simulationsprogramme bis hin zu Demonstrationsanlagen im Produktionsmaßstab. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler u. a. aus den Fachrichtungen Verfahrenstechnik, Maschinenbau, Energietechnik, Chemie, Biologie, Physik, Wirtschaftsingenieurwesen und Betriebswirtschaft arbeiten dabei in interdisziplinär zusammengesetzten Teams zusammen.

Folkwang Universität der Künste

Die Folkwang Universität der Künste ist die zentrale künstlerische Ausbildungsstätte für Musik, Theater, Tanz, Gestaltung und Wissenschaft im Ruhrgebiet. Die Forschungsgruppe “Gestaltung & Innovation” aus dem Fachbereich Gestaltung/Industrial Design untersucht die Zusammenhänge von Ästhetik, Funktionalität und Technologie in Bezug auf die Entwicklung von Produkten, Produktsystemen und Dienstleistungen. Arbeitsschwerpunkte sind Produktgestaltung und Nachhaltigkeit, Produktgestaltung und Bionik, Produktgestaltung und neue Materialien, Technologien und Fertigungstechniken.
Seit 2014 betreibt die Forschungsgruppe ein Textillabor. Verschiedene textile Fertigungsverfahren, wie computergestütztes Sticken, computergestütztes Stricken oder Overlockmaschinen und Industrienähmaschinen stehen zur Verfügung, um deren Anwendungspotenziale zu erforschen.